Sonntag, 1. April 2018

Das Herz der Kriegerin by Marina Fiorato [Rezension]

Das Herz der Kriegerin von Marina Fiorato

Taschenbuch ● 9,99 € ● blanvalet ● 576 Seiten ● 5 Sterne

Selbstbestimmung. Mut. Freiheit.

Inhalt
Nach einer wahren Geschichte – romantisch, genau recherchiert und mitreißend erzählt!

Dublin 1702. Die schöne Kit Kavanagh mit den feuerroten Haaren ist frisch verheiratet und glücklich. Doch dann wird ihr Mann Richard von Soldaten verschleppt, und Kit ist entschlossen, ihn zurückzuholen – koste es, was es wolle. So zieht sie ihm nach und schließt sich, als Soldat verkleidet, dem Regiment des charismatischen Captain Ross an. Kit spürt, dass sie mehr für Captain Ross empfindet als nur Gehorsam und Freundschaft. Doch sie muss nicht nur ihre wahre Identität, sondern auch die gefährliche Anziehungskraft um jeden Preis geheim halten. Als sie fast enttarnt wird und sich zu ihrer Sicherheit der gegnerischen Seite anschließen muss, begegnet sie Captain Ross erneut – diesmal in ihrer wahren Gestalt

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Meine Meinung

Vorerst einmal vielen Dank an den Verlag, der mir das Exemplar kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Das hat allerdings keinen Einfluss auf meine Meinung. Die Gründe, warum mir dieses Buch so gefallen hat, werde ich ausschweifend erklären.

Von Vorne: In dem Buch lernen wir Kit Kavanagh und ihre Abenteuer im 18. Jahrhundert kennen. Und obwohl es bei Amazon der erste Satz ist, war mir bis zur Hälfte des Buches nicht bewusst, dass es sich hier um eine wahre Geschichte handelt. Die Autorin selbst erwähnt ganz hinten im Buch auch, dass manche ihrer Abenteuer ausgeschmückt wurden, aber der sonstige Rest auf Tatsachen und Recherchen beruht. Das merkt man auch. Es wurde sehr gut nach den historischen Gegebenheiten und den Personen recherchiert. Man fühlt sich in diese Zeit hinein katapultiert und kann sich alles lebhaft vorstellen.

Dahingehend komme ich zu dem nächsten Punkt: Die Autorin verwendet zahlreich stilistische Mittel und dank der vielen Metaphern, Vergleichen und Hyperbeln, kann man sich jede Stadt, jeden Ballsaal, jedes Schlachtfeld so gut vorstellen. Sicherlich waren manche Beschreibungen etwas langatmig, aber mir gefällt diese Art. Der Schreibstil wirkt sehr blumig, es wird mit vielen Adjektiven gearbeitet und so kann es auch dazu kommen, dass einem Fluss mit seinem glasklaren Wasser eine halbe Seite gewidmet wird. Jede Szene wirkt dadurch sehr realitätsnah.

Die Nebencharaktere waren sehr unterschiedlich. Dennoch wirkten alle sehr plastisch. Auch wenn man anfangs eine Person und ihre Handlungen nicht verstehen konnte, löste sich dies im Laufe des Buches auf und man bekam ein Gefühl für die Denkweise.

Jetzt kommen wir aber zu meinen persönlich liebsten Punkten: die Thematik LGBT+, die sehr häufig angesprochen wurde, und der Protagonistin selbst, Kit Kavanagh.

Die Liebesgeschichte selbst ist keine tragende Säule der Geschichte, aber das Thema Liebe selbst schon. Wir erleben die Geschichte nur aus Kits Sicht und sehen viel ihrer Gedanken. Gegen der Meinung, es gäbe Homo-, Bi-, Pansexualität erst, seitdem wir in einer "modernen" Gesellschaft leben, wird hier gezeigt, es gibt seit Anbeginn der Menschheit Schwule, Lesben etc. Ich selbst bin bisexuell und freue mich so sehr, in einem Buch versammelt so viele kluge Gedanken zu lesen, und noch dazu in einem historischen Roman. Man muss sich nämlich vor Augen halten, dass zu dieser Zeit niemand von den Begriffen der LGBTQIA+ Community gehört hat und diese Dinge eher verpönt waren. Kit stellt sich immer wieder den Fragen "Ist Liebe unabhängig vom Geschlecht?"; "Ist der Charakter unabhängig vom Geschlecht?" und "Machen uns die typischen Geschlechterrollen vielleicht alle unglücklich?". Sie findet nur teilweise Antworten, manchmal muss der Leser sein eigenes Köpfchen anstrengen. Dazu hab ich ein sehr schönes Zitat aus dem Buch, dass ich euch zeigen möchte:

 "[...]der Charakter eines Menschen [hat] nichts mit seinem Gechlecht zu tun. Das innere Selbst war rein und weiß wie das Innere eines Apfels, und es erzählte nicht, ob die Schale rot oder grün war. [...] Sie fragte sich, ob die Liebe gleichfalls keine Frage des Geschlechts war, sondern mit der Person zusammenhing." (S. 237)

Wahre Worte, die mich in meinem Herzen getroffen haben.

Nun aber zu Kit selbst. Ich habe noch nie von einer so sarken Frau in einem Buch gelesen. In Anbetracht der Tatsache, in welcher Zeit wir uns hier befinden, kann ich ihr nur meinen vollsten Respekt entgegenbringen. Sie zeigt, dass Frauen genauso stark, genauso klug, genauso lernfähig, genauso leistungsfähig sein können wie Männer. Auch wenn das heute nicht ganz so schlimm ausgeprägt ist, herrschen diese Vorurteile immer noch. Wenn ich jemanden sage, ich will (als Mädchen) Mathe studieren, weil mir Mathe Spaß macht und ich es verstehe, schauen mich die meisten an wie "Du! Als Mädchen? Nein, Mädchen können doch gar kein Mathe..." -_- Aha, dankeschön. Aber Kit gibt mir Mut, dass wenn sie es geschafft hat, ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben zu führen, dann schaffe ich das auch. Ich kann alles werden, was ich will.
Die Themen Selbstbestimmung und Feminismus wurden hier sehr gut ausgearbeitet und präsentiert.

Fazit
Ich kann diesen historischen Roman absolut jedem empfehlen, ohne jegliche Einschränkung. Es gibt Liebe, historische Fakten, philosophische Denkansätze, Spannung und Abenteuer.

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