Samstag, 3. Februar 2018

Wenn Prinzen fallen by Robert Goolrick [Rezension]

Wenn Prinzen fallen by Robert Goolrick
Taschenbuch ● 10 € ● btb ● 287 Seiten ● 4 Sterne

Inhalt
New York der 80er Jahre: Rooney, der eigentlich künstlerische Ambitionen hat, muss erkennen, dass sein Talent nicht reicht. Stattdessen ergattert er einen Job als Trader bei einer Wall-Street- Firma und wird erfolgreich, geradezu absurd erfolgreich. Nichts scheint unmöglich für ihn und die anderen »Prinzen« von Manhattan. Skrupel, Moral, Integrität - Fehlanzeige. Hemmungsloser Hedonismus ist ihre Devise. Doch wer hoch fliegt, stürzt umso tiefer. Und nicht nur Rooney erlebt den Höllensturz. Viele der Weggefährten fallen dem exzessiven Lebensstil zum Opfer: Drogen, Alkohol und einer geheimnisvollen neuen Krankheit, die noch keinen Namen hat.

Meine Meinung
Vorweg: Dieses Buch hat mich sehr an The Wolf of Wall Street erinnert. Es geht auch hier um einen Kredithai, der in Geld schwimmt und einen sehr exzessiven Lebensstil pflegt. Ich sollte wohl besser sagen, gepflegt hat. Denn der Protagonist ist bereits etwas älter und erzählt von seinem Leben in der Vergangenheitsform und wie er zum derzeitigen Zeitpunkt einige Dinge bereut. Sozusagen reflektiert er all seine Handlungen und sein Leben.
Und dabei erzählt er von Erfahrungen und Erlebnissen, die wirklich erschreckend und schockierend sind. Das sind nämlich keine Kavaliersdelikte. Natürlich kommen in dieser Geschichten Drogenmissbrauch, übermäßiger Alkoholkonsum und wilde Sexgeschichten nicht zu kurz. 
Was mir aber sehr gut gefallen hat, war die Tatsache, dass auch erzählt wurde, wie Rooney zu so einem Mensch geworden ist. Davor hatte er Träume, wie zum Beispiel Künstler zu werden und es war nie seine Absicht zu so jemanden zu werden. Das macht die Story überzeugender und nachvollziehbarer. Es ist auch traurig zu sehen, wie ein guter Mensch durch schlechte Erfahrungen sich so entwickeln kann. Dennoch habe ich mich emotional nicht wirklich mit dem Protagonisten verbunden gefühlt und nicht wirklich mitgefühlt, wie das bei anderen Romanen der Fall war.

Trotzdem ist mir der Schreibstil positiv aufgefallen. Ich würde ihn mit dem von Acht Berge vergleichen, denn er ist sehr poetisch und sehr angenehm zu lesen, aber man braucht ein bisschen um hinein zu kommen.
Auch die Kapitel sind meist sehr kurz und knackig, weshalb man schnell voran kommt. Nur die Geschichte ist schwer zu verdauen und deshalb habe ich doch etwas länger gebraucht.

Negativ aufgefallen ist mir allerdings die Einleitung, denn die hat sich ungefähr die ersten 50 Seiten erstreckt. Erst nachdem der Protagonist alles seines derzeitigen Lebens erläutert hat, sind wir in seine Vergangenheit gereist und das war für mich wesentlich spannender.

Ebenfalls gut gefallen hat mir, aber das ist absolute Geschmackssache, dass der Protagonist den Leser direkt anspricht und dadurch die vierte Wand durchbricht. Es fühlt sich tatsächlich so an, als würde man mit Rooney in einem Cafe sitzen und mit ihm eine Art Interview oder Gespräch führen, in dem er über sein Leben erzählt. Und man selbst hört gespannt und mit angehaltener Luft zu. Ab und zu verschlägt es einem die Sprache und anderer Stelle erkennt man, dass Rooney doch ein Herz hat. 

Was mir am besten gefallen hat, war der gesellschaftskritische Aspekt. Es geht zum Ende hin vor allem um eine Krankheit, die verpöhnt ist und war und wie schlimm es für die Menschen war. Nicht nur, dass sie die Krankheit hatten, sondern auch, wie sie darauf hin von der Gesellschaft ausgeschlossen wurden. Das hat mir wirklich die Luft aus den Lungen gedrückt. 
Des Weiteren wird das Thema Sexualität aufgegriffen. Wie belastend es für die jungen Männer damals war und wie verzweifelt sie waren, dass sie bis ans Äußerste gegangen sind. Das hat mich wirklich berührt. Denn auch heute noch, sind Homosexualität, Bisexualität, Transsexualität etc. nicht gern in der Gesellschaft gesehen. Vielleicht ist es heute nicht mehr so schlimm wie damals, aber dennoch ist es ein kontroverses Thema. Und Liebe ist Liebe, unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Religion, Nationalität oder sozialem Status. Und trotzdem wird das auch heute noch abgelehnt und wir verurteilen und beurteilen das Leben von anderen. Dieses Recht hätten sich die Menschen damals nicht nehmen dürfen und dürften wir auch heute nicht.
Gerade dieser Aspekt ist der Grund dafür, dass das Buch 4 Sternen von mir bekommen hat, denn das hat mich direkt im Herzen getroffen.

Fazit
Die Geschichte ist einziges Auf und Ab. Manchmal eher weniger interessant und dann wieder mitreißend, dennoch würde ich es jedem weiterempfehlen, den diese Zeit in New York interessiert oder der mal ein gesellschaftskritisches Buch lesen will.

Zum Schluss möchte ich mich beim Verlag für das kostenlose Exemplar bedanken. Auch wenn ich etwas länger zum Lesen gebraucht habe, hat es mir gut gefallen.

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